Vendor Lock-in ist kein Geschäftsmodell. Zeit für echtes Cloud-Native mit Open Source.
- Edwin Rolle

- 7. Okt. 2025
- 4 Min. Lesezeit
Wer seine Cloud-Infrastruktur auf proprietäre Blackboxen baut, gibt viel Kontrolle ab. An Lizenzmodelle, an fremde Release-Zyklen und an die Preisgestaltung eines Anbieters. In der dynamischen Welt von Cloud-Native kann das schnell zu einem strategisches Risiko werden.
Dagegen ist es längst nicht mehr notwendig, sich teurer Kaufsoftware hinzugeben. Der Markt an kostenlosen, quelloffenen Lösungen für das Management von Cloud Infrastrukturen ist längst kein Platz für Hobbyprojekte mehr. Vielmehr ist es so, dass weit verbreitete, vielfach eingesetzte Software aus OpenSource Projekten heraus enstanden ist und problemlos geschäftskritische Workloads abbilden. Monitoring, Infrastructure as Code, Logging, Alerting, alles Themenfelder, in denen quelloffene Lösungen der Platzhirsch sind. Zeit, diese ein bisschen genauer zu beleuchten.
Warum proprietär oft nur die zweitbeste Lösung ist
Die Versprechen der großen Software-Suiten klingen verlockend: Alles aus einer Hand, mit Support-Hotline. Doch die Realität im Enterprise-Umfeld ist oft eine andere: Teuer erkaufte Abhängigkeit und eine Innovationsgeschwindigkeit, die vom Anbieter diktiert wird, nicht von Ihren Anforderungen.
Warum die Smart Money auf Open Source setzt
Kontrolle statt Kapitulation: Proprietäre Software zwingt Sie in ein Korsett. Open Source gibt Ihnen die Kontrolle zurück. Sie brauchen ein Feature? Bauen Sie es. Sie finden einen Bug? Fixen Sie ihn. Sie sind nicht länger Bittsteller beim Vendor, sondern Gestalter Ihrer eigenen Infrastruktur.
Innovation durch Masse, nicht durch Marketing: Während proprietäre Anbieter ihre Roadmaps hinter verschlossenen Türen entwickeln (oft getrieben von Sales-Zielen), entsteht Open-Source-Innovation dort, wo das Problem auftritt. Tausende der besten Entwickler weltweit arbeiten an diesen Projekten. Diese Geschwindigkeit kann kein einzelner Konzern abbilden.
Sicherheit ist kein Geheimnis: "Security by Obscurity" ist gescheitert. Echte Sicherheit entsteht durch Transparenz. Ein offener Quellcode wird von einer globalen Community auditiert. Wer glaubt, geschlossener Code sei sicherer, hat die letzten Jahre der IT-Sicherheit verpasst.
Budget für Köpfe, nicht für Lizenzen: Sparen Sie sich die exorbitanten Lizenzkosten. Investieren Sie das Geld lieber in fähige Engineers, die diese Tools meistern und echten Mehrwert für Ihr Unternehmen schaffen, anstatt nur Rechnungen zu verwalten.
Open Source verlangt Kompetenz im eigenen Haus, das ist richtig. Aber diese Kompetenz ist genau der strategische Vorteil, den Sie in der Cloud brauchen.
Monitoring ohne Kompromisse: Ein typischer Monitoring Stack auf OpenSource Basis
Wenn Sie sehen wollen, wie Open Source den Markt dominiert, schauen Sie auf Cloud-Native Monitoring. Der Stack aus Prometheus, Grafana und Alertmanager ist die Benchmark. Punkt.
Der Prometheus-Stack
Sprechen Experten vom Prometheus-Stack, meinen sie üblicherweise die Kombination aus Prometheus, einem System zum Verwalten von Zeitreihen, Alertmanager als Alertinglösung sowie Grafana als Visualisierungswerkzeug.
Prometheus selbst wurde im Jahre 2012 von der Firma SoundCloud entwickelt, als die Anforderungen an das Monitoring durch die damals verfügbaren Tools nicht mehr gedeckt werden konnten.
In 2016 wurde das Projekt von der Cloud Native Computing Foundation als zweites Incubatorporjket aufgenommen. Das erste war damals Kubernetes selbst.

Prometheus: Das unbestechliche Auge
Prometheus stellt die zentrale Komponente dar und speichert Zeitreihen. Anders als agentenbasierte Monitoringsysteme kann es Metriken per Pull Prinzip von verschiedenen Systemen abholen. Der inhärente Vorteil davon ist, dass der Pull von Metriken selbst eine Metrik darstellt und unmittelbar Auskunft über die Erreichbarkeit gibt. Im Gegensatz stellt bei push basierten Ansätzen das Ausbleiben von Informationen nicht zwingend eine Nicht- Erreichbarkeit dar, es kann auch sein, dass der Agent gerade nichts zu berichten hat.
Prometheus nutzt standardmäßig Festplatten und eine eigene, hocheffiziente Time Series DB, um Zeitreihen zu speichern, kann aber auch Storagesysteme für größere Umgebungen nutzen wie Kafka, InfluxDB oder auch cloud- native Lösungen wie AWS Timestream. Es ist natürlich auch skalierbar, um größere Infrastrukturen zu überwachen und wächst mit den Anforderungen mit.

Grafana: Radikale Transparenz
Prometheus sammelt die Daten, Grafana stellt sie dar. Obwohl es mittlerweile auch Alerting sowie Log Storage beherrscht, ist Grafana immer noch der de facto Standard für Visualisierung im Cloud Native Umfeld. Grafana ist sehr flexibel und kann neben Prometheus Daten aus einer Vielzahl von Quellen visualisieren, sogar das Anzeigen von Daten aus relationalen Datenbanken ist möglich.
Graphen, Statistiken und Counter werden auf Dashboards organisiert und können getaggt werden, um später leicht auffindbar zu sein. Dank OpenSource gibt es ein großes Ökosystem an fertigen Dashboards, die für verschiedenste Anwendungsfälle geeignet sind, z.B. das Darstellen von relevanten Metriken aus einem Kubernetes Cluster, für unterschiedliche Proxies, Datenbanken, virtuelle Maschinen und vielen mehr. Selbst für JIRA gibt es passende Boards, die über den Status eines Projekts informieren. Die Visualisierungen reichen dabei von Countern über Balkendiagrammen hin zu Heatmaps und Kartendarstellungen und sind damit in der Lage, alle denkbaren Use Cases abzudecken. Sollte es eine Visualisierung nicht geben, kann man dank dem Plugin System ein Plugin schreiben, welches die gewünschte Visualisierung ermöglicht.
Alertmanager: Noise Cancelling für Ihre Operations
Wenn Systeme Alarm schlagen, braucht es intelligente Filterung, nicht ohrenbetäubenden Lärm. Der Alertmanager nimmt die Signale von Prometheus entgegen, dedupliziert, gruppiert und routet sie. Er sorgt dafür, dass der richtige Alarm beim richtigen Team ankommt – und zwar nur einmal. Keine Alert-Fatigue, sondern fokussierte Intervention.
Neben ausgeklügeltem Routing und feingranularen Thresholds kann Alertmanager an verschiedenste Empfänger Alerts schicken: Teams, JIRA, Email, Pager sind nur einige Beispiele. Daneben sind auch Webhooks möglich, die mit anderen Systemen integrieren können.
Und die Kehrseite?
OpenSource kann Nachteile haben: Eine steile Lernkurve, fehlender Support, höhere Personalkosten. Auch die Frage, wen man anruft, wenn eine der genannten Komponenten ausfällt, stellt sich.
Besonders die zu erwartenden Investitionskosten in Personal können auf den ersten Blick abschreckend wirken. Hier halte ich dagegen, dass es für Unternehmen essenziell ist, Systeme, die geschäftskritische Prozesse überwachen, selbst zu beherrschen. Bei einem Ausfall empfiehlt es sich unbedingt, selbst handlungsfähig und nicht von einem externen Anbieter abhängig zu sein.
Doch wie gelangt man zu dieser Handlungsfähigkeit? Der Weg dorthin muss kein Sprung ins kalte Wasser sein. Für Unternehmen, die diese Kompetenz schrittweise aufbauen oder operative Risiken vollständig absichern wollen, hat sich am Markt ein Ökosystem an spezialisierten Partnern etabliert. Gute Dienstleister agieren hierbei als Wegbereiter: Sie helfen bei der Implementierung, schulen die internen Teams und gewährleisten den stabilen Betrieb, bis die eigene Mannschaft souverän genug ist – oder übernehmen den Betrieb als strategische, ausgelagerte Kompetenz.
Das Fazit: Dieser Stack ist kein nettes Tool für Startups. Er wird von den größten Cloud-Playern weltweit eingesetzt, weil er skalierbarer, flexibler und mächtiger ist als die meisten kommerziellen Alternativen. Sein Einsatzzweck ist nicht auf Cloud-native Umgebungen beschränkt, sondern funktioniert auch mit legacy onPremise Infrastrukturen und schafft somit eine Brücke zwischen onPremise und Cloud.
Der entscheidende Unterschied liegt aber im Geschäftsmodell: Sie investieren nicht in die Lizenzen eines Herstellers, sondern in die Kompetenz Ihres eigenen Teams. Die Software ist kostenlos, der Quellcode offen – Ihre Möglichkeiten sind damit grenzenlos.



