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2025 - Das Jahr, in dem die Cloud politisch wurde

  • Autorenbild: Edwin Rolle
    Edwin Rolle
  • 30. Dez. 2025
  • 3 Min. Lesezeit

025 wurde Donald Trump erneut zum Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt. Für manchen Beobachter war das ein politisches Erdbeben, andere wurden von diesem Ergebnis weniger überrascht. Mit der Wahl zogen auch Androhungen über Zölle, deren Realisierung und eine generell unvorhersehbarere Weltlage ins weiße Haus ein.


Die Renaissance der Souveränität: Europas leise Cloud-Revolution

Im Schatten fotorealistischer Katzenvideos entsand 2025 eine leisere, aber nicht weniger wichtige Entwicklung: Die Wiederentdeckung der europäischen Cloud. Getrieben durch das Wissen um neue US-Zollschranken und eine erratische Handelspolitik, schlüpften europäische Anbieter wie Phönix aus der Asche. Ob die Professionalisierung von OVHcloud und Scaleway, die EuroStack-Initiative oder der massive Ausbau von STACKIT (Schwarz IT) – die Auswahl wurde real


Wenn Murphys Law zuschlägt: Ein Herbst voller Blackouts

Und die Diskussion blieb – anders als üblich – das ganze Jahr über heiß. Warum? Weil die Realität Murphys Gesetz bestätigte (“Anything that can go wrong will go wrong”). Die "Einschläge" kamen im Wochentakt:

  • AWS (Oktober): Ein DNS-Fehler in DynamoDB (“It’s always DNS!”) legte erst die Region us-east-1 und durch kaskadierende Effekte schließlich Dienste weltweit lahm.

  • Azure (Oktober): Fehlkonfigurationen in Azure Front Door sorgten für massive Outages bei Microsoft 365 und globalen Enterprise-Diensten.

  • Cloudflare (November): Eine fehlerhafte Datenbankanpassung im Bot-Management sprengte die Konfigurationslimits und legte weite Teile des Netzes lahm.


Strategiewechsel: Von der Compliance zur Existenzsicherung

Diese Vorfälle entlarvten die Einseitigkeit vieler IT-Strategien. Es geht 2025 nicht mehr nur um Datenschutz-Compliance. Es geht um das Überleben des Geschäftsmodells. Wer souverän ist, ist nicht automatisch sicher – man erinnere sich an den OVH-Brand –, aber wer souverän ist, hat die Wahlfreiheit, seine Resilienz selbst zu steuern.

Zugegeben: Ausfälle bei großen Hyperscalern sind selten. Doch auch europäische Anbieter sind davor nicht gefeit – man denke nur an das abgebrannte OVH-Rechenzentrum und die Kunden, denen Multi-Region und Multi-AZ bis dato ein Fremdwort waren. Dennoch zeigen die Ereignisse von 2025, dass wir nicht von theoretischen, sondern von realen Gefahren sprechen.

 

Vom Oligopol zur Föderation: Europas digitale Vielfalt

Doch wie sieht die Alternative aus? Es geht nicht darum, die US-Hyperscaler einfach durch wenige europäische Giganten zu kopieren. Die wahre Chance für Europa liegt in einem vitalen Ökosystem aus vielen spezialisierten Anbietern, die durch Nutzung von etablierten Tools miteinander vernetzt sind. Statt eines Oligopols, in dem man "friss oder stirb" gegenüber einem einzelnen Provider ausgeliefert ist, entsteht eine föderierte Cloud-Landschaft. In diesem Szenario können Unternehmen ihre Workloads dort platzieren, wo sie am besten aufgehoben sind – sei es bei einem Spezialisten für hochsichere Behördendaten, einem Performance-Riesen für KI-Training oder einem lokalen Anbieter für Edge-Computing. Echter Wettbewerb entsteht erst dort, wo der Wechsel zwischen Anbietern technisch einfach und politisch gewollt ist. Digitale Souveränität bedeutet am Ende vor allem eines: Die Macht, sich für den besten Partner entscheiden zu können, ohne in einer Sackgasse zu landen.


Fazit: Resilienz als Leitmotiv für 2026

Unternehmen wurde 2025 wieder einmal vor Augen geführt, dass wir in einer volatilen Welt leben. Es ist das Jahr, das uns an einen entscheidenden Aspekt erinnert hat: Resilienz. Die Fähigkeit, mit Störungen leben zu lernen, anstatt sie blind wegzudefinieren.


2026 ist eine große Chance für den europäischen Markt. Unternehmen entdecken, wie groß Abhängigkeiten von proprietären Systemen sind, seien es Cloudanbieter, Office Suiten, Betriebssysteme, Chips, viele unsichtbare Bausteine europäischer Unternehmen stammen nicht aus Europa. Es ist Zeit, diese Chance zu nutzen und endlich eigene, souveräne Lösungen zu nutzen.

 
 
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